Vertrauensfaktor Blockchain

Januar 31, 2017

Blockchain ist wiederholt als eine der bahnbrechendsten Technologien unserer Zeit beschrieben worden und hat das Potenzial, den Banken- und Finanzsektor von Grund auf zu verändern. Auch im B2B-Bereich sind die Auswirkungen mittlerweile spürbar. Worin aber liegen die Innovationskraft und das Umwälzpotenzial von Blockchain?

Accenture Petri Syvaenne 23Petri Syvänne, Head of Payment Service Nordic des Unternehmens Accenture, beschreibt die Blockchain als sichere Echtzeitdatenbank. „Diese Technologie revolutioniert den Markt vor allem, weil sie den Aufbau einer einzigen Blockchain anstelle mehrerer, jeweils einzeln aktualisierter und überprüfter Datenbanken ermöglicht. Mit der Blockchain entfällt somit die Notwendigkeit, Daten mehrfach zu sichern und zu bestätigen. Die angegliederten Prozesse werden schneller und transparenter.“

„Der Nutzen von Blockchains für die Zahlungsverkehr-Branche ist in aller Munde, aber ihre marktverändernden Eigenschaften gelten auch für jegliche Art von Interaktionen, welche den Abschluss von Verträgen und die Übermittlung von Werten oder Informationen zwischen den Parteien beinhalten“, legt Petri Syvänne dar.

Syvänne war einer der Redner bei der von OpusCapita und Talouselämä im November vergangenen Jahres organisierten Veranstaltung Finance 4.0. Zu den Veranstaltungsthemen gehörten die Neuerungen im Finanzwesen – hervorgerufen durch Entwicklungstechnologien wie Blockchain sowie die Auswirkungen des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz auf die organisationalen Purchase-to-Pay-Prozesse.

Aktuell sind B2B-Geschäftsprozesse geprägt von einer Vielzahl von Arbeitsschritten sowie dem wechselseitigen Austausch von Dokumenten zwischen den jeweiligen Parteien sowohl in elektronischer Form als auch papierbasiert. Gemeint sind hier Bestellungen, Liefer- und Wareneingangsscheine, Rechnungen und Zahlungen, Freigaben und Kontoauszüge etc. Wie wäre es, wenn alle Informationen vom Kauf bis zur Zahlung sowohl dem Käufer als auch dem Verkäufer in Echtzeit auf einer gemeinsamen Plattform zur Verfügung stünden? Mit Hilfe der Blockchain-Technologie und Smart Contracts könnte diese Vision Wirklichkeit werden.

Wegfall von Verzögerungen durch gemeinsame Datenbanken

„Blockchain und die virtuelle Währung Bitcoin wurden lange als synonym angesehen“, erzählt Petri Syvänne. „Tatsächlich stellt Blockchain aber die Bitcoin zugrunde liegende Technologie dar. Wenn wir diese getrennt von der Währung betrachten, erschließen sich uns die Möglichkeiten, welche sie uns bietet.“

Konkret kann man sich eine Blockchain als ein verteiltes, kryptographisch gesichertes Kontenblatt oder eine Datenbank vorstellen. Daten werden damit auf Tausenden von Computern weltweit anstelle eines einzigen, zentralen Servers gespeichert. Die Informationen zu einem Vertrag oder einer Transaktion werden in einem Datenblock gespeichert, der über eine mathematische Hashfunktion dynamisch mit den vorherigen Datenblöcken verbunden wird. Dank der Technologie ist gewährleistet, dass die Daten nicht verändert werden können. Erzielt die Mehrheit der teilnehmenden Elemente in einem bestehenden Netzwerk keine Einigung über den Inhalt eines neuen Datenblocks, wird dieser der Blockkette nicht hinzugefügt.

„Derzeit aktualisieren und bearbeiten die Nutzer bei vielen B2B-Prozessen – oder z.B. beim Aktien und Wertpapierhandel – die Informationen in ihren eigenen Systemen und tauschen sie dann untereinander aus“, führt Petri Syvänne aus. „Dies führt zu einer Reihe von Verzögerungen in dem Prozess, ganz abgesehen von den Kosten, die beiden Seiten entstehen. In einer gemeinsamen Blockchain-Datenbank könnten sämtliche Transaktionsdaten von allen Beteiligten gleichzeitig eingesehen werden. Die Geschäftsprozesse könnten so in Echtzeit abgewickelt werden.“

Nach Meinung von Petri Syvänne könnten Blockchains in vielen Wertschöpfungsketten zu ähnlicher Transparenz und Effizienz führen. So könnte etwa einem Neuwagen nach der Fertigung in einem gemeinsamen Blockchain-Kontenblatt ein eindeutiger Identifizierungscode zugeordnet werden. Während des gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs würden dem Kontenblatt dann jeweils aktuelle Informationen in Bezug auf Eigentümer- und Zulassungswechsel, Wartung und Reparaturen, Unfälle und Versicherung hinzugefügt, so dass die aktuelle Fahrzeughistorie jederzeit zuverlässig geprüft werden kann, u.a. beim Gebrauchtwagenkauf.

Jenseits des Medienwirbels

Petri Syvänne stellt fest, dass „sich Blockchain unabhängig von dem Hype derzeit weiterentwickelt und auch viele neue Use Cases entstehen, die sich nicht auf den Zahlungs- oder Kapitalmarkt beziehen. Es bleibt abzuwarten, welcher Kreativschub daraus entsteht. Dies hängt beispielsweise auch von der zukünftigen Standardisierung dieser Technologie ab.“

Ein Praxisbeipiel ist das Start-up-Unternehmen Ripple, welches Blockchain aktuell nutzt, um grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Banken in Echtzeit abzuwickeln. Auch NASDAQ hat einen Piloten mit einer Blockchain-Lösung zur Verringerung des notwendigen Zeitaufwands für die Bearbeitung, Freigabe und Abwicklung von Geschäftsprozessen aufgesetzt. Weltweit kommen Blockchains zum Einsatz, um Datensätze über Immobilienbesitz oder akademische Bescheinigungen zu speichern, digitale Gutscheinkarten für Unternehmen zu verarbeiten, Diamanten nachzuverfolgen und die Fakturierung bei Aufladestationen für Elektroautos zu verwalten.

„In Afrika kommen Smart Contracts beim Strom- und Versorgungsgeschäft zum Einsatz. In der Blockchain wird ein intelligenter Zähler registriert, so dass dann der Kauf und die Zahlung von Strom automatisch erfolgen können“, führt Petri Syvänne aus. „Die Verbraucher benötigen weder ein Bankkonto, noch müssen sie weite Wege zurücklegen, um Prepaid-Stromverträge abzuschließen. Dies ist eines meiner Lieblingsbeispiele im Zusammenhang mit den Blockchains, da es zeigt, wie mittels dieser Technologie überflüssige technische Entwicklungsphasen übersprungen und die Interaktionen bequemer und zuverlässiger für beide Parteien gestaltet werden können.“

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