Januar 17 , 2018

Wie werden die E-Invoicing-Initiativen der EU 2018 den Markt prägen?

by and Digitalization, PEPPOL, E-invoicing

Das noch junge Jahr 2018 wird ganz im Zeichen des E-Invoicing stehen, und das ist gut so.

 

Zunächst hat sich eine der größten E-Invoicing-Initiativen zusammengeschlossen um die Einführung eines gemeinsamen Interoperabilitätsstandards für den B2G-Handel (Business-to-Government-Handel = Handel zwischen Unternehmen und der öffentlichen Hand) zu verabschieden. Dafür ist der April 2019 als Frist für die erfolgreiche Einführung festgelegt worden.Das Jahr 2018 ist somit das Jahr, in dem sich alle Organisationen darauf technisch und organisatorisch darauf vorbereiten müssen. Diese europäische Norm stellt die Antwort der Kommission auf die bis dato bestehende unübersichtliche Menge der EU-weit im Einsatz befindlichen verschiedenen Rechnungsformate dar und hat die Vereinfachung grenzüberschreitender Handelsbeziehungen zum Ziel. Darüber hinaus werden alle europäischen öffentliche Auftraggeber im Wege einer EU-Richtlinie bis Ende 2018 dazu verpflichtet, die Voraussetzungen für die Verarbeitung elektronischer Rechnungen zu schaffen.

Weiterhin wird nicht nur in Europa das Thema E-Invoicing durch Standardisierungsüberlegungen vorangetrieben. In den USA ist beispielsweise die Zentralbank (Federal Reserve) mit einer E-Invoicing-Initiative befasst, die auf den Entwurf eines Interoperabilitätsrahmens für den US-amerikanischen Markt abzielt, um eine durchgängige elektronische Verarbeitung (End-to-End) von Rechnungen und Zahlungen im Geschäftsverkehr zu ermöglichen.

Zudem, und dies stellt womöglich den wichtigsten Faktor dar, herrscht unter den unterschiedlichen Interessengruppen, u.a. den E-Invoicing-Dienstleistern und großen Branchenverbänden– wie EESPA und OpenPEPPOL ein breiter Konsens darüber, dass die Endnutzer von den komplexen Begleiterscheinungen der elektronische Rechnungsstellung in operativer, rechtlicher und sonstiger Hinsicht entlastet werden sollen. Allein im Hinblick darauf ist die E-Invoicing-Weiterentwicklung 2018 absolut zu priorisieren. Glücklicherweise gibt es auch einen breiten Konsens darüber, wie die bestehenden Hindernisse aus dem Weg geräumt werden sollen.

 

Erfahren Sie mehr über aktuelle Marktentwicklungen in unserem Webinar wo wir e-Invoicing mit Bruno Koch von Billentis besprechen.

 

E-Invoicing 2018: schneller und kostengünstiger

2018 wird also das Jahr höherer Interoperabilität – und zwar sowohl auf technischer als auch fachlicher Ebene. Um ihre Arbeit effizienter zu gestalten, schreiben die Regierungen Europas jetzt immer öfter E-Invoicing im B2G-Bereich vor und flächendeckendl werden Vorbereitungen für die Umsetzung der europäischen Norm im Einklang mit den E-Invoicing-Initiativen getroffen. Einige Regierungen folgen sogar dem Beispiel Lateinamerikas, wo der elektronische Verkehr im B2B-Bereich (Business-to-Business = Handel zwischen Unternehmen) auch zwingend Echtzeit-Umsatzsteuermeldungen unterstützen und Mehrwertsteuerbetrug Einhalt gebieten muss.

die E-Invoicing-Initiativen der EU

Marktreife für elektronische Rechnung. Quelle: Billentis Global Market Report 2017

 

Gleichzeitig haben die großen, marktführenden Einkaufsunternehmen ihren Blickwinkel erweitert und sehen E-Invoicing nunmehr als Voraussetzung für eine Optimierung ihrer Handelsbeziehungen an – dabei zielen ihre E-Invoicing-Maßnahmen auf eine durchgängige Automatisierung ihrer Source-to-Pay-Prozesse, Agilität im Kreditorenbereich und eine Optimierung des Working Capitals innerhalb der Lieferkette ab.

Ungeachtet der unterschiedlichen Herangehensweisen stellen all diese Vorstöße Schritte in Richtung einer Freilegung bisher nicht dagewesener Kosteneinsparungen und des Potenzials elektronischer Rechnungen unter Effizienzgesichtspunkten dar.

 

"Der Trend dieser Maßnahmen geht zu einer Beschleunigung der digitalen Transformation in Organisationen und deren Netzwerken."

 

Nun stellt sich die Frage, welche Rolle die europäische Norm hierbei für das E-Invoicing spielt. Handelt es sich lediglich um eine weitere Möglichkeit für die Lieferanten, ihre Rechnungen an die öffentlichen Auftraggeber zu übermitteln – und wie wird sich der Markt dadurch verändern?

Zum einen ist gewiss, dass multinationale Unternehmen direkt von der Verwendung eines einheitlichen Formats profitieren werden. Der so ins Rollen versetzte Schneeball wird dann bei jeder weiteren Einführung elektronischer Rechnungen bei den Geschäftsbeziehungen mit dem öffentlichen Sektor an Umfang gewinnen, zunächst auf Regierungs- und dann schon bald auf Gemeindeebene (bis 2020 in der EU). Erfahrungen in Ländern, wo der öffentliche Sektor bereits das Heft in die Hand genommen hat, um E-Invoicing voranzutreiben, zeigen, dass  der Ball schnell ins Rollen kommen wird und die Rechnungsstellung im B2B-Bereich ebenfalls im Handumdrehen mitnimmt.

Somit wird das elektronische Rechnungsvolumen zweifelsohne weiter steigen. In Europa ist im Vergleich zu den Zahlen aus dem Vorjahr schon für 2016 eine 29%ige Zunahme der E-Invoicing-Mengen zu erkennen und die Fortschritte bei den E-Invoicing-Initiativen und Harmonisierungsbestrebungen werden auf jedem Fall zu einem weiteren schnellen Anstieg dieser Kurve beitragen.

 

E-Invoicing ist eine Selbstverständlichkeit

2018 wird E-Invoicing zu einer Selbstverständlichkeit werden oder ist es vielmehr schon. Ohne eine Umstellung auf elektronische Rechnungen gestaltet sich die Realisierung hochgradig effizienter Source-to-Pay- oder Order-to-Cash-Prozesse als undurchführbar. Bald wird es ohne die Fähigkeit, elektronische Rechnungen zu verarbeiten, im B2G- und B2B-Handel unmöglich sein erfolgreiche Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Diese Entwicklungen und die vielen E-Invoicing-Initiativen bedeuten, dass wegweisenden und erfolgreiche Unternehmen sich unbedingt mit diesem Thema auseinandersetzen sollten. . Prüfen Sie Ihre Prozesse  und ob Sie heute schon am elektronischen Rechnungsaustausch teilnehmen könnten. Auch spezialisierte Dienstleister spielen dabei eine immer wesentlichere Rolle. Entscheidende Argumente hierfür sind    eine maximale Reichweite der Lösungen und Kompabilitäten mit bestehenden ERP-Lösungen sowie die Nutzung von  Business Netzwerken mit möglichst globaler  Ausdehnung.

Auch das Jahr 2018 wird wieder eine Menge an Hindernissen und Herausforderungen im Rahmen der Projektumsetzung mit sich bringen. Nutzen SIe die Expertise und das Fachwissen von Experten um sich so eine sichere Umsetzung der rechtlichen Vorgaben und Anweisungen zu gewährleisten.

 

Thomas Rohn

Thomas Rohn
Thomas Rohn ist Finanzexperte und aktuell Sales Manager für die DACH-Region bei OpusCapita. Er hat die Bereiche Rechnungswesen und Controlling in all ihren Facetten kennengelernt und alle Positionen vom Sachbearbeiter bis hin zum Geschäftsführer durchlaufen. Er bringt Beratungskompetenz zu XRechnung, ZUGFeRD, PEPPOL und den gesetzlichen Regeln für elektronische Buchführung und Datenzugriff (GoBD) mit, wirkt aktiv im deutschen „Der Mittelstandsverbund“ mit und ist im Feld der organisierten Verbände und Dienstleister exzellent vernetzt. Er ist ebenfalls Ansprechpartner und Mitglied im Verband Deutscher Treasurer (VdT).

Ahti Allikas

Ahti Allikas
Ahti Allikas ist seit 2000 in der E-Invoicing-Branche aktiv. Bei OpusCapita bekleidet er derzeit die Position des Head of Partners and Networks und ist für die Weiterentwicklung des E-Invoicing-Ökosystems verantwortlich. Er sitzt im Leitungsgremium des EESPA-Verbands (European E-invoicing Service Providers Association), vertritt OpusCapita in einem weiteren Verband, der OpenPEPPOL Association, und hat sich vor kurzem auch dem European Multi-Stakeholder Forum on E-Invoicing (EMSFEI) angeschlossen.

 

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