November 06 , 2018

Standardisierung von E-Invoicing macht Fortschritte in den USA

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Die USA machen Fortschritte in der landesweiten Standardisierung von elektronischen Rechnungen. In diesem Blogbeitrag gehe ich darauf ein, warum dies einen positiven Einfluss auf den globalen E-invoicing Markt haben wird.

E-Invoicing in den USA

Das Positive an diesen Neuigkeiten ist, dass die USA sich daran orientiert, was in Europa und vielen anderen Ländern bereits ausgearbeitet wurde, um so die Interoperabilität auf dem E-Invoicing Markt zu verbessern. Diese Entwicklung ist ein gutes Zeichen, da somit Hemmnisse auf dem globalen E-Invoicing Markt beseitigt werden.

In den USA werden derzeit unterschiedliche technische Standards, Formate, Netzwerke und E-Invoicing Modelle (von Point-To-Point bis zu Three-Corner) genutzt. Das bedeutet, dass ein Großteil des elektronischen Rechnungsaustauschs über geschlossene Netzwerke läuft: Entweder kann es eine direkte Verbindung zwischen den Handelspartnern sein oder in einem branchenspezifischen Netzwerk, das ein Service-Anbieter der einkaufenden Organisation und dem Lieferanten zur Verfügung stellt.

Da der amerikanische Markt sehr fragmentiert ist, ist es für US-Unternehmen mühsam und kostspielig zugleich, um an den Vorteilen des elektronischen Rechnungsaustauschs zu profitieren. Zum Beispiel sind Lieferanten häufig gezwungen, sich mehreren Netzwerken anzuschließen, da ihre Kunden verschiedene E-Invoicing-Anbieter nutzen. Der Mangel an Interoperabilität ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die flächendeckende Verbreitung des elektronischen Rechnungsaustauschs verhindert wird.

Die Vorteile des Four-Corner-Modells im E-Invoicing

Die Standardisierung von E-Invoicing in den USA ist Teil einer Initiative der amerikanischen Notenbank, die darauf abzielt, die Zahlungseffizienz im Business-To-Business Markt zu verbessern. Derzeit führen die Arbeitsgruppen, in denen ich mitarbeite, Gap-Analysen durch, um zu ermitteln, welche bereits bestehenden technischen Standards und semantischen Modelle bei der Erstellung des amerikanischen Rahmenwerks für E-Invoicing Interoperabilität verwendet werden können.

Momentan scheint es am wahrscheinlichsten, dass E-Invoicing in den USA auf einem offenen Any-to-Any-Netzwerkmodell basieren wird. Dieses Modell ähnelt den Initiativen in Europa (so wie multilaterale EESPA-Interoperabilität oder OpenPeppol) und Australien (Digital Business Council). Und natürlich macht das auch am meisten Sinn, da das Rad ja nicht neu erfunden werden muss.

Der Vorteil dieses Four-Corner-Modells besteht darin, dass Unternehmen nur eine einzige, standardisierte Anbindung an das Netzwerk benötigen, um E-Rechnungen und möglicherweise andere elektronische Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Versandbenachrichtigungen und Gutschriften mit ihren Handelspartnern austauschen zu können. Ich bin ein Befürworter des Open-Network-E-Invoicing-Modells, und bin froh diese Entwicklung auf dem Markt zu beobachten. Es ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung.

Mühelose Interoperabilität, die es Unternehmen jeder Art und Größe einfach macht, E-Invoicing zu betreiben, ist genau das, was für eine weitverbreitete Akzeptanz von E-Invoicing benötigt wird. Dies nimmt an Bedeutung zu, wenn der elektronische Rechnungsaustausch nicht von verbindlichen Regierungsmandaten geleitet würde, um bspw. die Steuer-Compliance (wie in Lateinamerika und Italien) oder die Effizienz von Transaktionen zwischen Unternehmen (der neue Europäischer Standard für E-Invoicing) zu verbessern. Derzeit scheint die Standardisierung des elektronischen Rechnungsaustauschs in den USA eindeutig vom privaten Sektor vorangetrieben zu werden.

Fokus auf die Verbesserung globaler Interoperabilität

Die aktuellen Entwicklungen zum E-Invoicing in den USA zeigen ein wichtiges Merkmal auf: Der Fokus liegt nicht nur auf dem Binnenmarkt. Die Notwendigkeit globaler Interoperabilität wurde erkannt und es laufen Diskussionen darüber, wie ein praktischer, kosteneffizienter und grenzüberschreitender Rechnungsaustausch sichergestellt werden kann. Dabei wird die Orientierung an bereits bestehenden europäischen Modellen neue technische Barrieren verhindern.

Diese Sichtweise ist aufgrund der weiterhin bestehenden Herausforderung, globale Interoperabilität im elektronischen Rechnungsaustausch zu schaffen, von elementarer Bedeutung. Jede gemeinsam vereinbarte Struktur für den elektronischen Rechnungsaustausch wird eine Vereinfachung mit sich bringen und es allen Unternehmen erleichtern ihre Abläufe an die elektronischen Prozesse anzupassen. Die Herausforderung wird noch ersichtlicher, schaut man auf global-operierende Unternehmen, die nach einer Harmonisierung und Standardisierung ihrer Rechnungsprozesse streben.

Wie bereits erwähnt, können lokale Unterschiede enorme Komplexitäten erzeugen und darüber hinaus beträchtliche Kosten verursachen. Es gibt Unternehmen, die jährlich Kosten von über 7 Millionen Euro haben, und das nur, um den unterschiedlichen E-Invoicing-Standards in den verschiedenen Ländern gerecht zu werden.

Die Effizienz eines Einzelnen sollte nicht auf Kosten der Effizienz eines Anderen gehen. Zum Beispiel planen derzeit viele Länder in Europa sowie Asien und Afrika die Einführung eines Echtzeit-Steuer-Reportings mit Hilfe von E-Invoicing. Ich habe die Hoffnung, dass diese Länder sich auch die bestehenden Praktiken aus den Ländern ansehen werden, in denen die Steuer Berichterstattung in Echtzeit bereits umgesetzt wurde. Der Bedarf, internationaler Konzerne an die Steigerung der Prozesseffizienz zur Sicherstellung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit sollte die Effizienz des öffentlichen Sektors nicht beeinträchtigen. Die weltweite Interoperabilität sollte Bestandteil aller modernen Initiativen zum elektronischen Rechnungsaustausch sein.

Ahti Allikas

Ahti Allikas
Ahti Allikas ist seit 2000 in der E-Invoicing-Branche aktiv. Bei OpusCapita bekleidet er derzeit die Position des Head of Partners and Networks und ist für die Weiterentwicklung des E-Invoicing-Ökosystems verantwortlich. Er sitzt im Leitungsgremium des EESPA-Verbands (European E-invoicing Service Providers Association), vertritt OpusCapita in einem weiteren Verband, der OpenPEPPOL Association, und hat sich vor kurzem auch dem European Multi-Stakeholder Forum on E-Invoicing (EMSFEI) angeschlossen.

 

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