Juli 25 , 2018

Offene digitale Business Netzwerke sind die Zukunft des B2B Handels

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Die Digitalisierung wird das traditionelle Geschäftsmodell vieler Unternehmen durch Informationsfluss und Interaktionen in Echtzeit stark verändern. Die Beziehung zwischen Käufer und Lieferant wird sich im digitalen Business Ökosystem in Europa und auch im Rest der Welt weiterentwickeln. Aber wie weit sind wir schon auf dem Weg zu vollends digitalisierten Geschäftsbeziehungen, in denen elektronisch gekauft, verkauft und bezahlt wird?

digital business network

In diesem Blog beschäftigt sich Heikki Pulli, Leiter der B2B Integration bei OpusCapita, mit der fortschreitenden Entwicklung von digitalen Business Netzwerken und diskutiert dies mit dem Supply Chain Experten, Antti Kojola, Business Development Direktor bei Gartner.

Digitale Business Netzwerke, B2B Ökosysteme, Digitalisierung der Käufer-Lieferanten-Beziehung - wie sieht dies in der Realität aus?

Antti KojolaDie Beziehung zwischen Lieferanten und Kunden waren lange Zeit eine lineare Abfolge. Heute ist der Geschäftsbetrieb vielfältiger und die Unternehmen operieren in einem Netzwerk von Lieferanten, Partnern und Kunden. In diesem Umfeld reicht es nicht aus, lediglich in eine Richtung zu schauen. Unternehmen müssen eine 360-Grad-Sichtweise haben, um ihre eigenen Abläufe zu optimieren und eine reibungslose Zusammenarbeit in diesem Netzwerk zu ermöglichen.

Heikki Pulli: Es gibt Schätzungen, dass sich bis zu 80 Prozent aller Informationen, die ein Unternehmen benötigt um seine Lieferkette effizient zu gestalten, in den Systemen seiner Partner befinden. Es entstehen digitale B2B-Netzwerke, die den Austausch verschiedener Geschäftsdokumente zwischen allen Beteiligten ermöglichen und darüber hinaus die benötigten Daten für effiziente, digitalisierte Prozesse sowohl für die Käufer als auch für die Lieferanten bereitstellen.

Antti KojolaEs ist wichtig, zwischen den Begriffen Elektronisierung und Digitalisierung zu unterscheiden, da diese noch immer oft verwechselt werden. Elektronisierung bedeutet, dass ein Prozess elektronisch abgebildet wird. Ein Beispiel ist hier das versenden einer Bestellung via EDI Nachricht anstelle eines Faxes. Der durchgeführte Prozess an sich bleibt gleich, lediglich die Übertragung findet nun elektronisch statt. Dahingegen liegt in der  Digitalisierung die Chance, Prozesse neu zu gestalten und somit Mehrwerte zu schaffen.

Wo sind wir heute?

Heikki Pulli: Ein gutes Beispiel für ein sich entwickelndes digitales B2B-Ökosystem ist PEPPOL, das europäische Netzwerk für E-Procurement und E-Invoicing. PEPPOL ist ein offenes Netzwerk, in dem sich jeder mit jedem austauschen kann. Es ermöglicht so einen mühelosen elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten und unterstützt die Automatisierung von Source-to-Pay- und Order-to-Cash-Prozessen. Da sich der öffentliche Sektor in Europa verpflichtet hat, die neue EU-Verordnung einzuhalten, also die Verpflichtung, elektronische Rechnungen anzunehmen, steigt das Interesse an PEPPOL und zwar nicht nur in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen und öffentlicher Hand.

Antti KojolaDie Welt hat sich weiterentwickelt und es ist mittlerweile schwerer geworden, Vorreiter und Nachzügler beispielsweise anhand geographischer Merkmale zu unterscheiden. Heute gibt es innerhalb derselben Branche oder Region Unternehmen, die an vorderster Front der digitalen Transformation stehen und Unternehmen, die erst langsam beginnen aufzuwachen. Gleichzeitig gibt es Prozesse, die eine lange Zeit benötigen um sich zu verändern,  selbst wenn die technischen Möglichkeiten bereits vorhanden sind. In Finnland beispielsweise ist die elektronische Rechnungsstellung im Geschäftsbereich schon lange im gang und gäbe, während Frachtbriefe meist noch papierhaft ausgetauscht werden.

Welche Bedeutung hat Transparenz in digitalen Business Netzwerken?

Antti KojolaIm Supply Chain Management ist das ‘Control-Tower- Konzept’ bereits seit fast einem Jahrzehnt ein heißes Thema. Es beschreibt im Wesentlichen die Suche nach neuen Verfahren, die die Sichtbarkeit, Zusammenarbeit und Automatisierung für und zwischen den jeweiligen Handelspartnern erhöhen. Dabei stellt Offenheit und Transparenz eben nicht nur darauf ab, alle notwendigen Informationen zu liefern, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass die richtigen Parteien Zugang dazu bekommen und entsprechend reagieren können. So lässt sich die gesamte  Lieferkette effizienter gestalten und beispielsweise eine Störung vermeiden.

Heikki PulliGerade aus diesem Grund  ist der Aufbau offener digitaler Business Netzwerke für den globalen Handel von so entscheidender Bedeutung. Ein Vier-Ecken-Modell als Grundlage ist geeignet, die höchste Effizienz für den Austausch von Geschäftsdokumenten und -transaktionen zu schaffen: Käufer und Lieferant können ihre eigenen Dienstleister frei wählen und Geschäftsdokumente aus allen Bereichen, wie Katalogdaten, Bestellungen oder Rechnungen in einem einzigen Netzwerk mit allen ihren Handelspartnern austauschen. Das ist im Übrigen auch die Idee hinter PEPPOL.

Wie sieht die Zukunft aus? Lassen Sie uns auf das Jahr 2025 vorspulen.

Heikki PulliWie auch immer sich PEPPOL entwickeln wird, ich bezweifle, dass  ein einzelnes Netzwerk ausreichend ist. Ich denke, ähnliche Bestrebungen zum Aufbau standardisierter B2B-Netzwerke werden zum Beispiel in den USA und in Asien aufkommen. Höchstwahrscheinlich wird das globale B2B-Ökosystem am Ende aus großen geografischen Netzwerken geformt sein. Anbieter werden den Unternehmen dann dabei helfen, die verbleibenden Grenzen für einen harmonisierten Welthandel zu überwinden.

Antti KojolaEs ist im Vorfeld nicht klar, wer hier als Sieger vom Platz gehen wird. Typischerweise führt eine Standardisierungsbemühung in einem Bereich, wie zum Beispiel PEPPOL, zum Entstehen einer neuen, rivalisierenden Vorgehensweise. Angesichts der technologischen Entwicklung war die Standardisierung immer ein Auslöser, den Fortschritt zu beschleunigen. Wir haben jetzt den Punkt erreicht, an dem wir Transparenz in den Lieferketten schaffen können. Wir haben die Daten - es kommt nun darauf an, wer in der Lage sein wird, diese für sich zu nutzen.

Heikki PulliAntti Kojola

Heikki Pulli ist seit fünfzehn Jahren im kundenorientierten Business Development tätig. Seine Schwerpunktthemen liegen in den Bereichen elektronisches Supply Chain Management, E-Rechnung sowie Integrations- und Datenmanagement. Er kümmert sich um die weltweiten B2B-Integrationslösungen von OpusCapita und bringt Kunden, Lieferanten und weiteren Akteuren das digitale Business Netzwerk näher.