Die Verbesserung der Transparenz der Liquidität steht bei vielen Treasurern und Cash Managern im Fokus, die oft mit viel Aufwand die gesamte Konzernliquidität ermitteln müssen.

„Viele der Probleme im Zusammenhang mit dem Umgang mit liquiden Mitteln lassen sich darauf zurückführen, dass es die meisten Treasurer in Unternehmen mit einer zu großen Zahl von Banken für das Cash Management zu tun haben. Zudem verfügen sie oft auch über zu viele Bankkonten. Je mehr Konten, desto höher die Kosten und Gefahren. Und das mal ganz abgesehen von den manuellen Eingriffen, die für die Verwaltung der Bankkonten und die Erstellung einer Liquiditätsübersicht erforderlich sind“, erklärte Karl-Henrik Sundberg, Solution Consultant, OpusCapita, in seinem Vortrag über die Zentralisierung des Cash Managements anlässlich der Treasury & Cash 2017-Veranstaltung im Mai in Helsinki.

Sundberg sprach hier vor allem auch aus eigener Erfahrung. Bevor er zu OpusCapita stieß, war er Cash Management als Director in der Treasury-Abteilung eines multinationalen Unternehmens und leitete ein Projekt zur Verbesserung der Liquiditätstransparenz.

„Es kam oft vor – und dieses Problem stellt sich in vielen Treasury-Abteilungen –, dass wir letztendlich auf Grundlage veralteter Daten Entscheidungen getroffen und gehandelt haben. Eingehende Bankkonto-Salden von Niederlassungen und lokalen Geschäftsstellen können schon einmal ein oder zwei Wochen alt sein, so dass nicht mehr von einer aktuellen Transparenz der Liquidität auszugehen ist. Dies führt zu erschwerten Bedingungen bei einer Reihe von Maßnahmen: effiziente Liquiditätsprognosen (Cash Forecasting), -bündelung (Cash Pooling) und Innenfinanzierung auf Konzernebene“, so Sundberg weiter.

Sich eine einheitliche Sicht auf die Vielzahl von Bankkonten zu verschaffen, gibt der Treasury-Abteilung die nötige Kontrolle zurück. Mit OpusCapita Accounts können alle Informationen aus sämtlichen Bankkonten und Bankauszügen in einem zentralen Hub zusammengestellt werden und so eine aktuelle Sicht auf die Liquidität z.B. bezogen auf verschiedene Banken, Konten und Währungen bieten. Sundberg führte ebenfalls an, dass die Möglichkeit, Bankgebühren zu analysieren und Transaktionsstatistiken zu erstellen, bei Verhandlungen mit Banken oder der Steuerung des Verhaltens von Niederlassungen Vorteile verschaffe.

„Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich wirklich um ein leistungsstarkes Werkzeug mit zusätzlichem Nutzen handelt und es wird Druck von der Treasury-Abteilung genommen. Beispielsweise können äußerst kostspielige Devisentransaktionen besser kontrolliert werden. Diese können schnell eine hohe Größenordnung erreichen, wenn Niederlassungen Rechnungen in fremder Währung über ihre lokalen Bankkonten begleichen. Bei entsprechender Transparenz können Sie effizient angemessene Maßnahmen einleiten“, stellt Sundberg fest.

Wie ist mit der Liquidität bei negativen Zinssätzen umzugehen?

Die Expertenrunde bei der Treasury & Cash-Veranstaltung war sich einig, dass die Erzielung von Liquiditätstransparenz ein Schlüsselelement eines effizienten Cash Managements sowie weiterer, Mehrwert schaffender Treasury-Aufgaben ist. In der Runde wurde auch diskutiert, wie mit Liquiditätsbeständen in der aktuellen Situation mit negativen Zinssätzen umzugehen ist und wie Gewinne mit kurzfristigen Liquiditätsüberschüssen erzielt werden können.

„Schlussendlich müssen die Treasuries ihre Liquiditätsbestände unabhängig vom Zinssatz verwalten. Die Fokussierung auf das Cash Forecasting ist bei großen globalen Unternehmen ein ungebrochener Trend“, stellte Jukka Sallinen, Head of Cash Management, OpusCapita, fest.

Sirkku Markula, Corporate Treasurer und Senior Vice President bei Kone Corporation, merkte an, dass sogar in Zeiten ungünstiger Zinssätze dem Vorhalten liquider Mittel Wert zukomme.

„Die Verringerung der Gefahr eines Guthabenverlustes ist enorm wichtig. Wir ziehen daher das Halten von Liquidität und die Investition mit einer negativen Rendite einer fehlenden Liquidität vor. Wir haben keine Strategieänderung aufgrund der aktuellen Zinssituation vorgenommen, sondern ermutigen unsere lokalen Geschäftsstellen weiterhin, sich auf die Optimierung der Zahlungsbedingungen der Kunden zu konzentrieren. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Investitionen in Zinsanleihefonds erhöht und die Zinsdauer dieser Fonds etwas gesteigert“, führte Markula aus.

Markula berichtete, dass Kone in über 60 Ländern weltweit tätig ist und 75% des Geschäftseinkommens in Nicht-Euro-Währungen erzielt werden - was einen Ausgleich in der Situation schaffe.

Laut Jouni Liimatta, Head of Liquidity Management Advisory bei Nordea Bank, muss ein Ausgleich zwischen den Kosten und dem Nutzen überschüssiger Liquidität und dem Nachteil von zu geringer Liquidität gefunden werden.

„Unternehmen wählen als Reaktion auf die Zinssituation einen ganzheitlichen Ansatz in Bezug auf das Liquiditätsmanagement. Sie teilen den Bestand ihrer liquiden Mittel aktiv auf, wobei jeweils verschiedenen Werkzeuge zum Tragen kommen. Als Beispiel seien hier Bargeldkontobestände, Wertpapiere oder Geldmarktfonds genannt. Mit Blick auf die Zukunft bin ich der Auffassung, dass Investitionsmaßnahmen wie Fondstransfers zunehmend automatisiert ablaufen werden, um noch mehr aktive Liquiditätskontrolle zu ermöglichen“, so Liimatta.

Darüber hinaus ist in letzter Zeit das Interesse an Lösungen wie Dynamic Discounting gewachsen. Sallinen führte aus, dass für große Abnehmerunternehmen die höhere Liquiditätsrendite das Zinsrisiko ausgleichen kann.

„Rund um derartige Skonto-Programme gab es eine Reihe interessanter Diskussionen. Die Einrichtung interner Bankstrukturen mit der so geschaffenen Möglichkeit eines kurzfristigen internen Finanzierungsmechanismus über interne Konten scheint ebenfalls beliebt zu sein“, stellte weiter Sallinen fest.

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